Persiflage oder ernstzunehmende Erinnerungsliteratur? Christian Krachts Eurotrash (2021) im Spannungsfeld einer ‚Ästhetik der Unverfügbarkeit‘

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DOI:

https://doi.org/10.18778/2196-8403.2025.05

Schlagwörter:

Christian Kracht, Eurotrash, Erinnerungsliteratur, Ästhetik der Unverfügbarkeit, Irritation, Vulnerabilität

Abstract

Christian Krachts literarisches Schaffen ist von einer Ästhetik geprägt, die gezielt Irritation und Provokation einsetzt und sich bewusst von gefälligen Darstellungsweisen absetzt. Der vorliegende Beitrag untersucht, welche Implikationen ein derart ästhetisches Verfahren für die Auseinandersetzung mit erinnerungsliterarischen Themen hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern Krachts Roman Eurotrash (2021) trotz – oder gerade wegen – seiner irritierenden und ironisierenden Gestaltung als Erinnerungsliteratur gelesen werden kann. Ausgangspunkt ist die These, dass Kracht im Rahmen einer ‚Ästhetik der Unverfügbarkeit‘ tradierte moralisch-ästhetische Erzählkonventionen unterläuft und auf diese Weise einen autonomen Zugang zu einem erinnerungsliterarischen Erzählen etabliert. Diese spezifische ästhetische Bearbeitung erinnerungskultureller Fragestellungen zeigt sich exemplarisch in der Darstellung der Mutterfigur. Der Beitrag argumentiert, dass Krachts Verfahren nicht im Widerspruch zur erinnerungsliterarischen Dimension des Romans steht, sondern diese auf produktive Weise erweitert.

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Veröffentlicht

2025-12-30

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Zitationsvorschlag

Meyer, Sina. 2025. “Persiflage Oder Ernstzunehmende Erinnerungsliteratur? Christian Krachts Eurotrash (2021) Im Spannungsfeld Einer ‚Ästhetik Der Unverfügbarkeit‘”. Convivium. Germanistisches Jahrbuch Polen, December, 75-97. https://doi.org/10.18778/2196-8403.2025.05.