Geschichte des Jahrbuchs
Convivium. Germanistisches Jahrbuch Polen wurde 1993 gegründet und bis 2018 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) herausgegeben. Nach den politischen Transformationen in den Ländern Mittel- und Osteuropas entstanden in den 1990er Jahren mehrere vergleichbare Jahrbücher, deren Ziel es war, aktuelle germanistische Forschung sichtbar zu machen. Von Beginn an verstand sich Convivium als interdisziplinäres Forum mit Beiträgen aus der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.
Zu den Beitragenden gehörten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Polen, Deutschland und weiteren Ländern. Publikationssprache war zunächst Deutsch. Convivium entwickelte sich rasch zu einem angesehenen Diskussionsforum der polnischen Germanistik, da es an einem Publikationsorgan fehlte, das über die einzelnen Hochschulstandorte hinausreichte und eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zwischen der polnischen und der deutschen Germanistik bot. Besonders attraktiv war dabei der interdisziplinäre Charakter: Seit seiner Gründung veröffentlicht Convivium Beiträge aus der Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft, inzwischen ebenso aus der Film- und Theaterwissenschaft, der Comicforschung, den Digital Studies, den Gender Studies, der Medienwissenschaft, den Bereichen DaF/DaZ, der Translationswissenschaft sowie aus den Geschichts- und Politikwissenschaften. Darüber hinaus verfügt Convivium über einen umfangreichen Rezensionsteil und informiert über ausgewählte bedeutende wissenschaftliche Veranstaltungen.
Eine entscheidende Rolle spielte über viele Jahre die Förderung durch den DAAD. Sie ermöglichte unter anderem die jährlichen Treffen des Herausgabeteams, des Wissenschaftlichen Beirats sowie der Sprachredaktion, die aus in Polen tätigen DAAD-Lektorinnen und -Lektoren besteht. Zu den ersten Herausgebern gehörten Prof. Stefan Kaszyński und der DAAD-Lektor Dr. Martin Grimberg, die beide am Institut für Germanistik der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań tätig waren. Aus diesem Grund befand sich dort über viele Jahre der Sitz von Convivium.
Im Jahr 2016 wählte der Wissenschaftliche Beirat als neue Herausgeberinnen: Prof. Dr. Beata Mikołajczyk, Sprachwissenschaftlerin an der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań, Prof. Dr. Joanna Jabłkowska, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Łódź, sowie Prof. Dr. Gudrun Heidemann, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Łódź, die zudem federführende Redaktionsleiterin ist.
Seit 2019 wird das Jahrbuch von der Philologischen Fakultät der Universität Łódź finanziert. Die jährlichen Sitzungen des Wissenschaftlichen Beirats finden weiterhin statt, seit 2020 überwiegend in digitaler Form. Der Beirat legt das jeweilige Schwerpunktthema fest; ein oder zwei seiner Mitglieder formulieren anschließend den Call for Papers, der zur Einreichung von Beiträgen einlädt. Auf seiner Sitzung im Jahr 2025 beschloss der Wissenschaftliche Beirat, dass die Schwerpunktthemen ab dem Jahrgang 2027 jährlich rotierend von der Sprachwissenschaft (einschließlich DaF/DaZ) und Literaturwissenschaft (einschließlich Kulturwissenschaft) ausgehen sollen. Dadurch können die thematischen Profile der einzelnen Hefte noch präziser konturiert werden. Unabhängig davon bleibt stets die Möglichkeit bestehen, Beiträge außerhalb des jeweiligen Schwerpunktthemas zu veröffentlichen.
Im Jahr 2023 feierte Convivium sein dreißigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass organisierten die Herausgeberinnen der Universität Łódź im September 2023 die internationale wissenschaftliche Tagung 30 Jahre Convivium – aktuelle Grenz(über)fälle, Grenzbegehungen, Grenzgänge ab 2000. 4 Ukraine. An der Konferenz nahmen unter anderem mehrere Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats sowie zahlreiche Autorinnen und Autoren von Convivium teil. Im Jahr 2026 erschien in der Reihe Interkulturelle Rhizome der von Maja Dębska und Gudrun Heidemann herausgegebene Sammelband Grenz(über)fälle und Grenzgänge. Literatur, Kunst und gesellschaftliche Dynamiken ab 2000.
Seit 2024 erscheinen zudem thematische Sonderhefte, die von externen Forschungsteams herausgegeben werden.
Durch das Open-Access-Prinzip hat sich Convivium dem digitalen Wandel bereits vor einigen Jahren erfolgreich angepasst und ist heute international leichter denn je zugänglich. Gleichzeitig erscheint das Jahrbuch weiterhin in gedruckter Form und ist in den wichtigsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands und Polens vertreten. Über beide Publikationswege werden im Peer-Review-Verfahren qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse zu aktuellen Fragestellungen veröffentlicht.
Das Jahrbuch ist in einschlägigen Fachdatenbanken indexiert und auf wissenschaftlichen Plattformen sowie in Repositorien präsent. Dadurch bleibt Convivium trotz des Titelzusatzes „Polen“ weltweit sichtbar. Die Herausgeberinnen bauen das internationale Kooperationsnetzwerk kontinuierlich aus; in den vergangenen Jahren wurden deshalb zunehmend auch Beiträge in englischer Sprache veröffentlicht.
Der freie Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse über nationale Grenzen hinweg, der bereits zu den Leitgedanken des DAAD bei der Gründung von Convivium gehörte, erweist sich heute – in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher und digitaler Abschottung – als ein wichtiger Beitrag zum Schutz einer zunehmend gefährdeten demokratischen Öffentlichkeit.
