„Teppiche sind aus Geschichten gewoben“. Problematisierungen generationalen Erzählens in NINO HARATISCHWILIS Das achte Leben (Für Brilka) und JETTE STECKELS Inszenierung am Thalia Theater Hamburg

Autor/innen

  • Felix Lempp Universität Hamburg

DOI:

https://doi.org/10.18778/2196-8403.2020.05

Schlagworte:

NINO HARATISCHWILI, JETTE STECKEL, Generationenroman, theatrale Adaption, deutschssprachige Gegenwartsliteratur, deutschsprachiges Gegenwartstheater

Abstract

In NINO HARATISCHWILIS Roman Das achte Leben (Für Brilka) versucht die Erzählerin Niza vergeblich, die sowjetische Geschichte Georgiens und die individuelle Geschichte ihrer Familie zwischen 1900 und 2006 aufeinander bezogen darzustellen. Der Aufsatz argumentiert, dass in den Defiziten des Erzählprogramms Nizas Widersprüche einer für den Generationenroman typischen Erzählpoetik produktiv gemacht werden, der es nicht gelingt, individuelle, familiäre und politische Geschichte zu einem sinnstiftenden Narrativ zu verbinden. Am Ende des Romans steht deshalb ein Medienwechsel von der literarischen Geschichtsdarstellung zu ihrer performativen Verkörperung im Tanz, in dem die theatrale Adaption des Romans, wie sie JETTE STECKEL 2017 am Thalia Theater Hamburg inszenierte, bereits angelegt ist.

Autor/innen-Biografie

Felix Lempp, Universität Hamburg

Felix Lempp studierte Germanistik, Geschichte und Theaterpädagogik in Eichstätt sowie Deutsche Literatur in Freiburg im Breisgau. 2016-2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Interkulturelle Literatur- und Medienwissenschaft des Institus für Germanistik an der Universität Hamburg. Sein Promotionsprojekt zu Verräumlichungsstrategien im Gegenwartstheater wird von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Forschungsinteressen u.a. im Bereich der Ästhetik des zeitgenössischen Dramas und Theaters, der interkulturellen Literaturwissenschaft und literarischer wie theatraler Raumkonzepte.

Literaturhinweise

ASSMANN, ALEIDA (2007): Geschichte im Gedächtnis. Von der individuellen Erfahrung zur öffentlichen Inszenierung. München (=Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte am Kulturwissenschaftlichen Institut im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen 6).
Google Scholar

COSTAGLI, SIMONE (2010): Family Plots. Literarische Strategien dokumentarischen Erzählens. In: COSTAGLI, SIMONE / GALLI, MATTEO (eds.): Deutsche Familienromane. Literarische Genealogien und internationaler Kontext. München, 157-168.
Google Scholar

EIGLER, FRIEDERIKE (2005): Gedächtnis und Geschichte in Generationenromanen seit der Wende. Berlin (=Philologische Studien und Quellen 192).
Google Scholar

FREUD, SIGMUND (1909 / 71970): Der Familienroman der Neurotiker. In: DERS.: Studienausgabe, Bd. IV: Psychologische Schriften, 221-226.
Google Scholar

GALLI, MATTEO / COSTAGLI, SIMONE (2010): Chronotopoi. Vom Familienroman zum Generationenroman. In: COSTAGLI, SIMONE / GALLI, MATTEO (eds.): Deutsche Familienromane. Literarische Genealogien und internationaler Kontext. München, 7-20.
Google Scholar

GEIER, ANDREA (2014): Verstörende Dokumente, irritierende Erzähldynamiken. Potentiale und Probleme des Genres Familienroman (Uwe Timm und Ulla Hahn). In: SÜSELBECK, JAN (ed.): Familiengefühle. Generationengeschichte und NS-Erinnerung in den Medien. Berlin, 129-151.
Google Scholar

GISBERTZ, ANNA-KATHARINA (2018): Die andere Gegenwart. Zeitliche Interventionen in neueren Generationserzählungen, Heidelberg (=Beiträge zur neueren Literaturgeschichte 391).
Google Scholar

HALFMANN, ROMAN (2017): Die neue Nostalgie in der Gegenwartskultur. Zur Transformation personaler Authentizität in Werken von Ian McEwan, Karl Ove Knausgård, Nino Haratischwili und Tom McCarthy. In: Weimarer Beiträge 63.1:5-26.
Google Scholar

HARATISCHWILI, NINO (2014): Das achte Leben (Für Brilka). Frankfurt a.M.
Google Scholar

JAHN, BERNHARD (2006): Familienkonstruktionen 2005. Zum Problem des Zusammenhangs der Generationen im aktuellen Familienroman. In: Zeitschrift für Germanistik 16.3:581-596.
Google Scholar

JELEČ, MARIJANA (2016): Formen der Vergangenheitsbewältigung in ausgewählten zeitgenössischen österreichischen Generationenromanen. In: LOVRIĆ, GORAN / JELEČ,MARIJANA (eds.): Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur. Frankfurt a.M. u.a., 147-162.
Google Scholar

LÖFFLER, SIGRID (2003): Böse alte Welt. In: Literaturen 07/08:9-16.
Google Scholar

KAFKA, FRANZ (1904 / 1954): Brief an Oskar Pollak vom 27.01.1904. In: DERS.: Gesammelte Werke, [Bd. IX:] Briefe 1902-1924, hg. von Max Brod, Frankfurt a.M. 1958, 27-28.
Google Scholar

MANNHEIM, KARL (1928 / 21970): Das Problem der Generationen. In: MANNHEIM, KARL: Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, eingeleitet und herausgegeben von Kurt H. Wolff. Neuwied a. Rhein / Berlin, 509-565.
Google Scholar

REIDY, JULIAN (2013): Rekonstruktion und Entheroisierung. Paradigmen des ‚Generationenromans‘ in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bielefeld (=Figurationen des Anderen. Literatur- und kulturwissenschaftliche Studien 2).
Google Scholar

ROHRWASSER, MICHAEL (2003): Das Schwarzbrot der Erinnerung. In: Literaturen 07/08:22-27.
Google Scholar

SCHÜLKE, ANNE (2016): Früchte des Zorns. Über Gattung und Geschlecht im Kontext des zeitgenössischen Familienromans. In: LOVRIĆ, GORAN / JELEČ, MARIJANA (eds.): Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur. Frankfurt a.M. u.a., 119-132.
Google Scholar

SILLER, BARBARA (2016): ‚Mütterlicherseits‘. Generationenromane und Geschlechter. In: LOVRIĆ, GORAN / JELEČ, MARIJANA (eds.): Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur. Frankfurt a.M. u.a., 41-59.
Google Scholar

ŠLIBAR, NEVA (2016): Frauen schreiben Familiengeschichte(n). Von Monika Maron bis Katja Petrowskaja. In: LOVRIĆ, GORAN / JELEČ, MARIJANA (eds.): Familie und Identität in der Gegenwartsliteratur. Frankfurt a.M. u.a., 15-39.
Google Scholar

WEIGEL, SIGRID (2006): Genea-Logik: Generation, Tradition und Evolution zwischen Kultur- und Naturwissenschaften. München / Paderborn.
Google Scholar

WELZER, HARALD (2004): Schön unscharf. Über die Konjunktur der Familien- und Generationenromane. In: Literatur. Beilage zum Mittelweg 36.1:53-64.
Google Scholar

##submission.downloads##

Veröffentlicht

2020-12-30

Zitationsvorschlag

Lempp, F. (2020). „Teppiche sind aus Geschichten gewoben“. Problematisierungen generationalen Erzählens in NINO HARATISCHWILIS Das achte Leben (Für Brilka) und JETTE STECKELS Inszenierung am Thalia Theater Hamburg. Convivium. Germanistisches Jahrbuch Polen, 91-107. https://doi.org/10.18778/2196-8403.2020.05

Ausgabe

Rubrik

Articles